Selbstfindung

Wenn man so über die Schlagzeilen in den Tagesblättern fliegt, bekommt man unschwer mit, dass wir uns in einer neuen Art miteinander umzugehen befinden.

Spalter tun fleißig ihr Werk und sind dabei sehr erfolgreich. Populismus ist längst nicht mehr nur noch den Populisten vorbehalten.
Und in dieser Zeit spreche ich von Gemeinschaft. Naja viele Gemeinschaften und alle grenzen sich von den Anderen ab, aber nicht, weil sie etwas besser machen, sondern nur, weil alle anderen es schlecht machen.

Wir messen uns nicht mehr an unseren „Guten Taten“, sondern an den „Schlechten Taten“ der anderen. Immer sind es die, die noch schlimmer sind und somit relativiert sich unser Handeln, „denn im Gegensatz zu ihm, ist das, was ich tue, doch echt harmlos“, oder etwa nicht?

Wenn wir uns so eine bessere Welt erhoffen, befinden wir uns auf dem Holzweg…und die ersten Planken brechen schon unter unseren Füßen weg.

Und da ist sie wieder.
Ich schließe die Tür. Das Schloss rastet ein.
Ich höre noch die Schritte, wie sie die Stufen im Treppenhaus hinabschreiten.
Der Raum riesig und leer. Ich setze mich, starre an die Wand.
Was war das? Was wird das?
Gedanken vernichten. Sie kommen zurück.
Schlafen? Kann ich noch nicht.
Auf bleiben? Will ich nicht mehr, ich bin müde.

Blicke ich auf mich, sehe ich eine Baustelle. Der Spiegel muss mal geputzt werden.
Ein müder Blick kommt mir entgegen. Ich sollte doch schlafen gehen.
Wieder diese Gedanken. Wohin? Warum? Alles gut?
Nein, eigentlich nicht.
Obwohl, eigentlich doch.
Es war doch schön. Und nun ist es…
Wie sollte es sein? Anders auf jeden Fall.

Ich spüre die Schwäche. Das Bett ist bequem.
Augen zu, ein Bild. Wunderschön.
Ich muss lächeln. Könnte weinen.
Ich bleibe beim Lächeln.
Ich bin kurz vor dem Einschlafen,
und da ist sie wieder,
diese eine Frage nach dem Warum?
Doch nur ich kann diese Frage beantworten. Warum tue ich es dann nicht?
Dann wird es dunkel. Gute Nacht

Bleib Tapfer mein Freund.
Es geht vorran
Das allein zählt!

Vergiss die, die dir alles vermiesen wollen
Vergiss all das Schlechte

Denke an das Gute
Denke an das Glück

Es regnet schon den ganzen Tag
Das ist egal
In den Nachrichten wieder einmal schreckliches passiert
Das ist egal
Verzweifeln? Keine Option
Optimismus ist gefragt.

Woher nehmen?
Wird schon schief gehen?
Kann ja eigentlich nur schief gehen!
Wo ist der Optimismus, wenn man ihn nötig hat?
Egal.

Der Tag ist schön
Wenn es auch nur kleine Momente sind,
Sie bleiben im Kopf.
Der Rest?
Ausblenden!
Lachen, um das Weinen zu vergessen
Es hilft.
An das schöne Lächeln denken, das man dir geschenkt hat, um den Frust zu vergessen
Es hilft.
Du bist ein guter Mensch
Es hilft.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag

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Guten Morgen

Du schaust in den Spiegel.

„Alles klar?“

Wasser ins Gesicht.

„Jetzt?“

Tränensäcke

„Gab es einen Grund zu weinen?“

„Ja, den gab es.“

„Hast du geweint?“

„Ja, das habe ich.“

„Gut!“

Noch einmal Wasser ins Gesicht.

Kalt.

Die Haare müssen in Form.

Nein, so nicht…irgendwie anders. Nur wie?

Ein wenig wachs wirkt Wunder.

Immernoch die Tränensäcke

Creme

Besser.

Lächeln!

Wichtig.

„Das kannst du doch besser.“

Du strengst dich an.

„Das üben wir noch!“

„Einen schönen Tag!“

 

Die Nachricht kommt. „Nur noch einen Tag zu leben.“
Dies wird also der letzte Tag sein, an dem man existiert. Man ist aufgestanden, wie an jedem Morgen, plant den Tag, verbringt ihn dann wie jeden anderen Tag auch, um am Abend von auf einer auf dem Anrufbeantworter gesprochenen Nachricht zu erfahren, dass dieser Tag sein letzter sein wird.
Was wollte man schon immer machen? Diese Frage wird in diesem Moment sehr wichtig. Die Sorgen über die Rechnungen im Briefkasten sind vergessen. Der Sport zur körperlichen Ertüchtigung wird unwichtig. Das Warten beim Amt wird auf niemals verschoben, keine Zeit. Die alltäglichen Sorgen, die einen Tag für Tag quälen, sind nebensächlich. Mit dieser Nachricht rücken die Wünsche und Träume in den Mittelpunkt. Das Leben scheint auf einmal zu beginnen.
Diese Nachricht is ein Geschenk und ein Fluch zugleich. Die Freiheit, die man dadurch erhält, wird vermischt mit dem Wissen, dass es am nächsten Tag vorbei ist.
Zukunftspläne rücken näher oder erscheinen nun unerreichbar. Man möchte den Menschen, die einem wichtig sind, noch einmal sagen, dass sie einem wichtig sind. Man will den letzten Tag mit ihnen verbringen. Man will die Welt sehen, noch einmal überall gewesen sein. Was einem sonst verrückt erscheint, muss man erlebt haben.
Die Nacht ist klar, unzählige Sterne funkeln am dunklen Himmel. Man schaut hinauf und wird sich deren Unerreichbarkeit noch bewusster als es sonst scheint.
Das Unmögliche muss auf einmal möglich sein.
Doch womit anfangen? Was nun? Noch ehe man auf diese Frage eine Antwort gefunden hat, ist der Tag vorbei. Man liegt im Bett und die Frage kommt einem, ob man alles richtig gemacht hat? Ist man zufrieden mit seinem Leben? Es kommen Erinnerungen, schöne und schreckliche.
Die Nacht vergeht und Gedanke um Gedanke kommt. Überlegungen über Fehler halten einen wach. Was hätte man vermeiden können, was kann man wieder gut machen?
Die Sonne geht auf und scheint durch den Spalt im Vorhang. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende eine Frau, die sich mit betroffener Stimme für diesen schlimmen Kinderstreich ihrer Söhne entschuldigte.